Die Rohracker Künstlerin Erika Diemer vor dem Bild „Corrida“. Der Schriftsteller Martin A. Obrecht liest bei der Finnissage aus seinem Buch „Erfüllte Morde“. Foto: Frey
Cannstatter Zeitung vom 1. Juli 2009
Bad Cannstatt: Lesung mit Martin A. Obrecht im Anna Haag-Mehrgenerationenhaus bei der Ausstellung von Erika Diemer
Von Iris Frey
Das Schreiben hat Martin A. Obrecht schon sein Leben lang begleitet. „Ich schreibe schon seit 30 Jahren“, sagt der Schweizer Autor. Im vergangenen Jahr hat er sein erstes Buch herausgebracht: „Erfüllte Morde“. Martin A. Obrecht ist 1960 in Zürich geboren und hat zunächst eine Banklehre absolviert, um dann doch in den künstlerischen Bereich zu wechseln: Er studierte Schauspiel studierte war als Schauspieler tätig.Eigentlich wollte er schon immer Schriftsteller werden, sagt er. Jetzt ist er es. 1982 ist er nach Deutschland gekommen und hat hier 13 Jahre als Schauspieler gespielt von München bis Düsseldorf. Um sich mehr schriftstellerisch betätigen zu können, hat er sich entschieden, in die Schauspielausbildung zu gehen. Er wurde Schauspiellehrer und Trainer. Heute ist er Coach und Kommunikatinsstrainer und seit 2007 selbstständig.In seinem ersten Buch mit Krimikurzgeschichten gibt es halbautobiografische Kurzerzählungen, auch aus der Zeit in Zürich. Doch auch aus historischen Quellen speisen sich seine Geschichten. Die Geschichte „Licht im November“ basiert auf einem realen Hintergrund: Frankreich vor der Revolutionszeit. „Die Klage des Gesuchten“ hat der Autor nach Amerika verlegt. Doch sie ist in Deutschland geschehen, Tod durch das Fallbeil. „Fast alle Geschichten haben einen lebenswirklichen Hintergrund“, sagt Martin A. Obrecht. Eine Schlüsselrolle spielt die Geschichte „Erfüllte Morde“. Ein Sohn bringt seine Mutter um. „Ich konnte nur Ida auslöschen. Nicht mich selbst. Jenseits eines moralischen Standpunkts heißt das: ich habe meine Morde erfüllt, in dem ich weiterlebe (-schreibe). Als ein Ausdruck von Erfüllung.“ Ein literarischer Befreiungsschlag ist damit Martin A. Obrecht gelungen. Seine Geschichten erzählen von Verlierern, Opfern, der Angst vor dem Tod, Mördern und Mitwissern. Sie sind psychologisch fein durchwirkt und spannend gestrickt. Am Samstag, 4. Juli wird Martin A. Obrecht bei der Finnissage zur Ausstellung mit Werken von Erika Diemer eine Geschichte vorstellen, die er über das Anna-Haag-Haus und die Ausstellung geschrieben hat.Obrecht findet in Diemers Werken „tausend Geschichten“. Sein Lieblingsbild ist das „Stadtmärchen“. Doch auch der „Corrida“, in dem die tausend Männchen in schmalen Schneisen sich um den großen roten Punkt bewegen, gefällt dem Autor. Diemer zeigt 50 Bilder, eine Werkschau. Auf Mallorca stellt sie aus, jüngst sogar in der Tabaluga-Stiftung von Peter Maffay. Die Finnissage im Anna Haag Mehrgenerationenhaus, Martha-Schmidtmann-Straße 16, am 4. Juli, beginnt um 15 Uhr. Sie wird musikalisch umrahmt von dem Trio „Songpickers“. Die Einführung hält Harald Lohse. Martin A. Obrecht liest. Infos unter www.erika-diemer.de und www.martin-a-obrecht.de.