Alltagsbegleiter helfen seit Anfang Juli auch im Anna-Haag-Mehrgenerationenhaus. Sie gehen auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohner ein.
Cannstatter Zeitung vom 10. August 2009
BAD CANNSTATT: Erste Einsätze Arbeitsloser im Anna-Haag-Mehrgenerationenhaus
(if) - Vor einigen Monaten waren sie in den Schlagzeilen: die Pflegeassistenten, die vom Jobcenter als Arbeitslose in Altenheime vermittelt werden sollten. Solche Pflegeassistenten sind als Alltagsbegleiter seit Anfang Juli im Anna-Haag-Mehrgenerationenhaus tätig - mit Erfolg.
Susanne Sieghart, Leiterin des Geschäftsbereichs der Altenhilfe, freut sich, dass derzeit drei dieser Alltagsbegleiter bereits im Hause tätig sind, eine vierte Kraft wird erwartet. Sie sollen Menschen mit demenziellen Erkrankungen, psychischen Beeinträchtigungen und Behinderungen Ansprache geben und einen regelmäßigen sozialen Kontakt bilden.
Vier Personen sollen im Mehrgenerationenhaus auf zwei Vollzeitstellen in drei Gruppen des Hauses arbeiten. Sieghart freut sich, dass somit alle drei Wohnbereiche abgedeckt sind. Die Alltagshelferinnen sollen ein regelmäßiges zusätzliches Betreuungsangebot bilden und die Bewohner aktivieren. „Klar ist, sie dürfen nicht pflegen“, sagt Sieghart. Deshalb sei der Begriff Pflegeassistent eher verwirrend.
Im Anna-Haag-Mehrgenerationenhaus sind die Alltagsbegleiter in kleineren Gruppen tätig und sollen auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohner eingehen. Das Problem bei den demenziell Erkrankten sei, so Sieghardt, dass sie sich nicht untereinander stützen können. Sie seien aggressiv oder ziehen sich zurück. Auch die anderen Bewohner würden von dem Angebot durch zusätzliche Betreuungsangebote profitieren.
Bei den Alltagshelfern handelt es sich teils um Beschäftigte, die das Anna-Haag-Mehrgenerationenhaus bereits kennen. Eine Beschäftigte war in der Wohnbereichshilfe vorher tätig. Sie hat Essen ausgegeben und ist nun in den sozialen Bereich gewechselt.
Shadi Kareb erklärt: „Die Arbeit mit den alten Menschen macht mir große Freude. Ich benötige zwar viel Geduld, weil alles etwas langsamer geht, als ich es zuvor gewohnt war. Doch ich schätze meine neue Aufgabe sehr, vor allem weil mir die Senioren so viel Wärme und Herzlichkeit zurückgeben.“ Eine andere Alltagshelferin war zuvor in der Hauswirtschaft beschäftigt und hat dort Wäsche in den Zimmern verteilt. „Sie hat dadurch schon viele Kontakte zu den Bewohnern gefunde“, erklärt Sieghart. Jetzt ist sie Alltagshelferin. Die dritte Beschäftigte wurde dem Anna-Haag-Haus vom Jobcenter vermittelt. Sie hat zuvor Verwaltungsarbeit geleistet.
Bei der Einstellung der Alltagshelfer handelt es sich um ein klares Bewerbungsverfahren. Der Träger sucht sich die Beschäftigten aus. In der Zwischenzeit können sich nicht mehr nur Arbeitslose dafür bewerben. Es gibt beispielsweise auch Pflegefachkräfte, die den Sprung ins „Zwischenmenschliche“ wagen, um Bewohner geistig-seelisch zu aktivieren und ihnen ein beständiger Gesprächspartner zu sein.
Bei den Dementen müssen die Helfer beachten, dass sie nicht mehr wissen, wer sie sind und wo sie sind. Daher entwickeln sie eine Unruhe. „Und da ist es gut, Menschen zu haben, die ihnen Sicherheit und Vertrauen vermitteln“, erklärt Sieghart. In familiären Situation wie gemeinsamem Kochen sollen die Bewohner auf besondere Weise angesprochen werden.
Der Träger zahlt die Alltagshelfer, die über die Pflegekasse refinanziert werden laut Pflegeweiterentwicklungsgesetz. Seit 1. Juli kann das Seniorenzentrum zusätzliche Aktivierung und Betreuung für Bewohnerinnen und Bewohner in der stationären Pflege anbieten. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein Mehrbedarf an Betreuung, wie er insbesondere bei demenziellen Erkrankungen, aber auch bei psychischen oder geistigen Einschränkungen auftritt. Im Seniorenzentrum des Anna -Haag-Mehrgenerationenhauses entsprechen rund 50 Personen - zwei von drei Bewohnern - diesem Profil. Im Anna-Haag-Mehrgenerationenhaus gibt es 76 Dauerpflegeplätze, rund 50 sind somit von dieser besonderen Unterstützung betroffen. Die Bezahlung der Alltagshelfer entspricht in etwa der der Pflegehelfer. „Wir freuen uns sehr, dass es möglich ist, weil es über die Grundpflege hinaus geht“, sagt Sieghart. Die Betreuungsgruppen werden im übrigen noch mit Praktikanten und Zivildienstleistenden unterstützt.