Die Tagesstätte des Anna-Haag-Hauses belegte beim Mestemacher-Kita-Preis den ersten Platz. Zur Preisübergabe an die Leiterin Katrin Geus (2. v.r.) und ihre Vorgängerin Claudine Geils (re) war auch OB Schuster gekommen. Foto: Rehberger
Cannstatter Zeitung vom 13. Januar 2010
BAD CANNSTATT: Tagesstätte belegt den ersten Platz beim Mestemacher Kita-Preis
(ede) - Seit 2001 vergibt das Unternehmen Mestemacher, eine Vollkorn- und Pumpernickel-Bäckerei, den Kita-Preis an Einrichtungen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die geschlechterdemokratische Erziehung fördern. Die Tagesstätte des Anna-Haag-Mehrgenerationenhauses belegte 2009 den ersten Platz. Dafür gab es 7500 Euro und sehr viel Lob.
1950 wurden in Deutschland 1,1 Millionen Kinder geboren, 2009 waren es noch 682 000. „Eine nicht ganz unproblematische Entwicklung“, so Ulrike Detmers, Professorin für Betriebswirtschaftslehre, Unternehmerin und Frauenrechtlerin. „Die berufliche Gleichberechtigung ist bis heute nicht gelungen.“ Noch herrsche das Bild vom Mann als Ernährer der Familie vor. „Aber auch der Wickeltisch ist ein Ort für den Vater.“ Deshalb fordert sie dazu auf, dass Unternehmen leitbildhaft auftreten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern. Seit 2001 vergibt sie jedes Jahr in einer anderen Region Deutschlands den Mestemacher Kita-Preis. Sie ist Mitgesellschafterin des 1871 gegründete Unternehmens aus Gütersloh, das im vergangenen Jahr 111 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete. 2009 wurden in Stuttgart 200 wissenschaftlich erarbeitete, komplexe Fragebögen an Kitas verschickt. Lediglich zehn Prozent füllten ihn aus. „Da war gerade Streik und die Einrichtungen in einer angespannten Situation“, begründet die Kinderbeauftragte Roswitha Wenzl.
Nach der Auswertung und persönlichem Besuch in den Einrichtungen belegte die Kita des Anna-Haag-Mehrgenerationenhauses den ersten Platz. Dafür gab es 7500 Euro. Überrascht war Detmers in Stuttgart von den langen Öffnungszeiten, der guten Ausstattung und der vergleichsweise hohen Zahl der männlichen Erzieher. Die Kita im Anna-Haag-Haus, in der täglich zwischen 6.30 und 17 Uhr 30 Kinder unter drei Jahren und 40 zwischen drei und sechs Jahren betreut werden, bestach durch die familienergänzende Geborgenheit und Betreuung. „Geschlechterdemokratie in Familie und Beruf wird insbesondere in den beiden Kindertagesstättengruppen, in denen die Kinder drei bis sechs Jahre alt sind, täglich vorgelebt.“ Die gemeinsame Bewältigung von Familien- und Hausarbeit gehöre unter anderem zu den Erziehungszielen der Einrichtung. Bewusst werde darauf geachtet, dass in Spielmaterialien keine Geschlechterstereotypien auftauchen und die Gleichwertigkeit von Frauen und Männern erzieherisch vermittelt wird. „Ausschlaggebend für Platz 1 war letztlich die zukunftsorientierte Gestaltung des Mehrgenerationenhauses“, so Detmers. Platz 2 und 5000 Euro gingen an das Kinderhaus „Bärcheninsel von Kind e.V., Platz 3 und 2500 Euro an die Eltern-Kind-Gruppe „Rasselbande“. Auf die Auszeichnung sei man schon stolz, gab Jan Wittig, der Aufsichtsratsvorsitzende des sozialen Arbeitskreises Anna-Haag-Haus, zu. „Es zeigt, dass der eingeschlagene Weg nicht der schlechteste ist.“ Es sei Ansporn, den Weg weiterzugehen und zu -entwickeln.
Die frühkindliche Erziehung mit entsprechender Qualität sei von großer Bedeutung, stellte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster fest. Deshalb sei das Konzept des Anna-Haag-Hauses, „die älteste Mehrgenerationeneinrichtung in Stuttgart“, auch so wichtig. In der Kita erfolge die erste wesentliche Weichenstellung. Die Stadt baut, so Schuster, daher die Betreuungsplätze um 2000 aus.