Ausgezeichnet: In der Kindertagesstätte des Anna-Haag-Hauses in Bad Cannstatt ist die Freude über den ersten Preis groß.
Quelle: www.swp.de
Südwest Presse/Neue Württembergische Zeitung (Göppingen) vom 15. Januar 2010
Stuttgart. Die Tagesstätte des Anna-Haag-Mehrgenerationenhauses in Stuttgart-Bad Cannstatt hat den bundesweiten Kita-Preis gewonnen, den das Unternehmens Mestemacher seit 2001 jährlich vergibt.
Das Unternehmen Mestemacher, eine Vollkorn- und Pumpernickel-Bäckerei, vergibt seit neun Jahren bundesweit den Kita-Preis an Einrichtungen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die geschlechterdemokratische Erziehung fördern. In diesem Jahr wurde die Stadt Stuttgart ausgewählt. Die Tagesstätte des Anna-Haag-Mehrgenerationenhauses in Bad Cannstatt belegte den ersten Platz.
1950 wurden in Deutschland 1,1 Millionen Kinder geboren, 2009 waren es noch 682 000. "Eine nicht ganz unproblematische Entwicklung", so Ulrike Detmers, Professorin für Betriebswirtschaftslehre, Unternehmerin und Frauenrechtlerin. "Die berufliche Gleichberechtigung ist bis heute nicht gelungen." Noch herrsche das Bild vom Mann als Ernährer der Familie vor. "Aber auch der Wickeltisch ist ein Ort für den Vater." Deshalb fordert sie dazu auf, dass Unternehmen leitbildhaft auftreten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern. Seit 2001 vergibt sie jedes Jahr in einer anderen Region Deutschlands den Mestemacher Kita-Preis. Sie ist Mitgesellschafterin des 1871 gegründete Unternehmens aus Gütersloh, das im vergangenen Jahr 111 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete.
Die Preisträger werden jedes Jahr in einer anderen Stadt gesucht. Diesmal wurde die baden-württembergische Landeshauptstadt ausgewählt. Um den Besten zu ermitteln, wurden an 200 Kitas wissenschaftlich erarbeitete, komplexe Fragebögen verschickt. Der Rücklauf war allerdings mager: Lediglich zehn Prozent füllten ihn aus. "Da war gerade Streik und die Einrichtungen in einer angespannten Situation", begründet die städtische Kinderbeauftragte Roswitha Wenzl.
Nach der Auswertung und persönlichem Besuch in den Einrichtungen belegte die Kita des Anna-Haag-Mehrgenerationenhauses den ersten Platz. Dafür gab es 7500 Euro. Überrascht war Detmers in Stuttgart von den langen Öffnungszeiten, der guten Ausstattung und der vergleichsweise hohen Zahl der männlichen Erzieher. Die Kita im Anna-Haag-Haus, in der täglich zwischen 6.30 und 17 Uhr 30 Kinder unter drei Jahren und 40 zwischen drei und sechs Jahren betreut werden, bestach durch die familienergänzende Geborgenheit und Betreuung. "Geschlechterdemokratie in Familie und Beruf wird insbesondere in den beiden Kindertagesstättengruppen, in denen die Kinder drei bis sechs Jahre alt sind, täglich vorgelebt." Die gemeinsame Bewältigung von Familien- und Hausarbeit gehöre unter anderem zu den Erziehungszielen der Einrichtung. Bewusst werde darauf geachtet, dass in Spielmaterialien keine Geschlechterstereotypien auftauchen und die Gleichwertigkeit von Frauen und Männern erzieherisch vermittelt wird. "Ausschlaggebend für Platz 1 war letztlich die zukunftsorientierte Gestaltung des Mehrgenerationenhauses", so Detmers. Platz 2 und 5000 Euro gingen an das Kinderhaus "Bärcheninsel von Kind e.V., Platz 3 und 2500 Euro an die Eltern-Kind-Gruppe "Rasselbande". Auf die Auszeichnung sei man schon stolz, gab Jan Wittig, der Aufsichtsratsvorsitzende des sozialen Arbeitskreises Anna-Haag-Haus, zu. "Es zeigt, dass der eingeschlagene Weg nicht der schlechteste ist." Es sei Ansporn, den Weg weiterzugehen und zu -entwickeln.
Die frühkindliche Erziehung mit entsprechender Qualität sei von großer Bedeutung, stellte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster fest. Deshalb sei das Konzept des Anna-Haag-Hauses, "die älteste Mehrgenerationeneinrichtung in Stuttgart", auch so wichtig.