Stuttgarter Wochenblatt vom 22. Januar 2009
Berta Krüger feierte gestern in Bad Cannstatt ihren 100. Geburtstag
BAD CANNSTATT
"Ich hätte nie gedacht, dass ich 100 Jahre alt werde", sagt Berta Krüger. Zum Glück kommt vieles anders als man denkt. Und so feierte die gebürtige Münchnerin ihren runden Geburtstag gestern im Anna Haag Mehrgenerationenhaus, gemeinsam mit vielen Gratulanten. Aber auch an ganz normalen Tagen ist Berta Krüger selten allein: "Ich bin nie ohne Besuch." Ihre Familie schaut regelmäßig vorbei. Die Familie ist es auch, die Berta Krüger viel Kraft gibt. Harmonie ist ihr wichtig. "Zusammengehörigkeit und Einigkeit ist das größte Gut", findet die alte Dame, die schon schwere Zeiten erlebt hat. Ihr Vater starb im Ersten Weltkrieg, ihre Mutter verlor sie bereits mit 15 Jahren. Ihre Tante, die sie damals aufnahm, sorgte dafür, dass Berta Krüger sich trotzdem gerne an ihre Jugend erinnert.
An ihrem 30. Geburtstag heiratete Berta Krüger, die eine gelernte Schneiderin ist, ihren Mann Richard, einen Rheinländer, und zog 1939 mit ihm nach Stuttgart.
Im darauf folgenden Jahr kam Sohn Werner auf die Welt. Im Jahr 1944 wurde die Wohnung der Krügers in der Seestraße zerbombt und die junge Mutter mit ihrem Sohn nach Wildberg im Schwarzwald evakuiert. Weil ihr Mann von seiner Firma nach Düsseldorf beordert worden war, musste sie sich alleine durchschlagen.
1946 machte sie sich mit ihrem Sohn und ein paar Habseligkeiten auf die beschwerliche Reise zu ihrem Mann nach Düsseldorf. "Das dauerte sieben Tage", erinnert sich die Jubilarin.
Anfang der 50er Jahre kehrte die Familie nach Stuttgart zurück. Hier hat Berta Krüger Fuß gefasst und Freunde gefunden. Seit 2007 lebt sie im Anna Haag Mehrgenerationenhaus und fühlt sich sehr wohl: "Alle sind sehr nett und hilfsbereit." Bis heute ist sie auf Achse und tourt gerne durchs Haus. "Dass sie fast blind ist, kann man kaum glauben, wenn man sie mit ihrem Rolli durchs Haus und um die Kurven flitzen sieht", sagt ihr Sohn.
von Annette Clauß