Stuttgarter Wochenblatt vom 23. April 2009
“Cannstatt hat alles außer ein Kino”, stellt Bezirksvorsteher Thomas Jakob fest. Das ändert sich jetzt. Bezirksamt und Anna-Haag-Mehrgenerationenhaus starten das Projekt “Kino-Café”. Am 27. April wird das Verwaltungsgebäude zum Lichtspielhaus. In geselliger Runde bei Kaffee und Kuchen können sich die Besucher beim Rühmann-Film “Die Feuerzangenbowle” amüsieren.
BAD CANNSTATT - Bei einer feurigen Bowle – oder anderen Heißgetränken – in geselliger Runde entstehen die besten Ideen und Gespräche. Wie im Filmklassiker “Die Feuerzangenbowle” mit Heinz Rühmann sollen ältere Bürger auch beim Kino-Café-Projekt zusammen kommen, Spaß haben, sich kennen lernen, den Tag nicht alleine verbringen. “Im Hinblick auf die demographische Entwicklung der Gesellschaft wird es immer wichtiger, Orte anzubieten, an denen sich Menschen treffen und miteinander in Kontakt treten können”, erläutert Bezirksvorsteher Thomas Jakob den Hintergrund des Projekts. “Für Kinder gibt es bereits ein Kooperationsprojekt mit der VHS”, erklärt Jakob. Jetzt können sich auch die Älteren im Kinosessel zurücklehnen. “Da wir aber alle älter werden, aber nicht sein wollen, sprechen wir die Generation 50 plus an.” Wobei: In einem Kinosaal läuft der Film nicht. Vielmehr verwandelt sich der Sitzungssaal im Verwaltungsgebäude in ein Kino-Café. In ungezwungener Atmosphäre, an großen Tafeln können die Besucher während des Films Kaffee und Kuchen genießen. Auszubildende des Anna-Haag-Mehrgenerationenhauses backen Kuchen, servieren, tun alles, damit sich die Zuschauer wohlfühlen. “Eine einmalige Chance und große Herausforderung für die Mädchen”, weiß Neele Koch, Generations- und Quartiersmanagerin des Anna-Haag-Hauses. Die lern- und teils schwerbehinderten Frauen werden zu Hauswirtschaftshelferin ausgebildet. “Im Kino-Café haben sie die tolle Möglichkeit in der Öffentlichkeit zu zeigen, was sie können”, meint Jörg Schnatterer, Vorstand des Anna-Haag-Mehrgenerationenhauses.
Zugleich ist das Projekt wichtig für das Anna-Haag-Haus selbst, um im Cannstatt bekannter zu werden und sich selbst weiter zu öffnen. Da nicht alle Bewohner den Weg bis in Cannstatter Altstadt meistern können, wird am Sonntag vorab, also am 26. April, derselbe Film dort in der Cafeteria gezeigt.
Dort sind auch die Filme, die gezeigt werden, in Umfragen ausgewählt worden – alles Klassiker mit “Die Feuerzangenbowle”, “Casablanca” und “Der Hauptmann von Köpenick”. Besucher der Aufführungen haben nun die Möglichkeit, das weitere Programm zu bestimmen und weitere Filme auszusuchen. Denn der 27. April ist nur der Auftakt vom Kino in Bad Cannstatt.
Von Tina Bauer