Inklusion in der Kita Anna Haag: Kinder lernen gemeinsam – und voneinander!

In der Vorschule zeigt sich Christos – hier neben seiner Freundin Sara – konzentriert und wissbegierig.

Kinder lernen gemeinsam – und voneinander!

Christos ist ein aktives Kind, er hat Humor, spielt gerne mit Gleichaltrigen und verfügt über ein feines Gespür für die Menschen, die ihm begegnen. Seit seinem dritten Lebensjahr besucht der Sechsjährige die inklusive Kindertagesstätte im Anna Haag Mehrgenerationenhaus – er ist eines von derzeit vier Kindern mit Förderbedarf, die gemeinsam mit Kindern ohne Behinderung betreut werden.

Der Inklusionsansatz ist in der Kita Anna Haag fest verankert. Alle pädagogischen Fachkräfte sind in das Konzept eingebunden. Die fachliche Anleitung und Unterstützung des Kita-Teams, aber auch die Koordination mit externen Therapeuten, Frühf.rderstellen, sonderpädagogischen Beratungsstellen und Ämtern leistet die Inklusionsbeauftragte Nina Urbaczek, eine Heilerziehungspflegerin mit Berufserfahrung in der Behindertenhilfe. Gemeinsam mit der Bereichsleiterin Dagmar Bender ist sie zugleich die wichtigste Ansprechpartnerin für die Eltern: Sie berät diese bei der Auswahl der individuell passenden Fördermöglichkeiten für ihr Kind.

Christos Behinderung entstand durch eine Hirnblutung nach der Geburt. In der Folge traten motorische Einschränkungen mit Spastik und eine starke Sehbehinderung auf. Viele Entwicklungsschritte, die bei anderen Kindern unbewusst erfolgen, muss sich Christos mit Unterstützung seiner Eltern, Therapeuten und dem Kita-Team hart erarbeiten – beispielsweise beim Sprechen oder in der Fortbewegung. Das Miteinander mit Kindern ohne Behinderung motiviert ihn dabei. Zudem hat er gelernt, auftretende Frustration, wenn ihm etwas nicht gelingt, zu überwinden und eigene Strategien zu entwickeln.

Ein Beispiel: Christos träumt davon, laufen zu lernen und übt viel dafür. Auch wenn das Ziel »Laufen« derzeit zu weit gesteckt ist, setzt genau hier eine sinnvolle, stärkenorientierte Förderung an: Anfangs lernte Christos, in Kita-Räumen und im Garten zu krabbeln und sich eigenständig fortzubewegen. Er hat Spaß dabei, sein allerliebstes Spielgerät ist ein Bodentrampolin, auf dem er – mit Halt durch seinen Inklusionsbegleiter – hüpft. Seit einigen Monaten nutzt der Sechsjährige nun einen Rollstuhl mit Ein-Hand-Steuerung. Sein Bewegungsradius hat sich entscheidend erweitert – auch beim Sportprogramm »Kitafit«.

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Testlauf für die Schule: Christos erprobt ein Notebook mit Touchscreen und für ihn optimierter Software.

Christos nimmt an allen Kita-Aktivitäten seiner Altersgruppe teil. Und da er im Sommer eingeschult wird, gehört dazu auch die Vorschule. Hier zeigt sich: Christos ist kognitiv altersgerecht entwickelt, er ist wissbegierig und freut sich aufs Lernen. Bei manchen Aufgaben benötigt er Hilfe – auch durch spezielle Arbeitsmaterialien oder technische Hilfsmittel.

Im Sommer, wenn Christos und andere Kinder in die Schule wechseln, können bis zu fünf Inklusionskinder neu aufgenommen werden. Die Inklusionsplätze sind nicht an eine bestimmte Form der Behinderung gebunden, betreut werden auch Kinder mit Entwicklungsverzögerung oder geistiger Behinderung. Anfragen interessierter Eltern nimmt Dagmar Bender (Telefon 0711/952 55-24, E-Mail: d.bender@ annahaaghaus.de) gerne entgegen.